Deutsch

Wahrscheinlich gibt es die Behauptung, dass jedes Unterrichtsfach sich für das wichtigste halte, schon so lange, wie es Schule gibt, aber welches Fach, wenn nicht der muttersprachliche Unterricht, in unserem Fall also Deutsch, sollte das mit mehr Recht von sich sagen. Denn der Deutschunterricht legt schließlich auch Grundlagen für die meisten anderen Unterrichtsfächer (bis zu einem gewissen Punkt auch für die Fremdsprachen). „Dem Deutschunterricht kommt für das sprachliche Lernen in allen Fächern orientierende Funktion zu, indem Elemente sprachlichen Lernens und Sprachfragen aus anderen Fächern und für andere Fächer aufgegriffen und genutzt werden." (Kernlehrplan für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums - Sekundarstufe I [G8] in Nordrhein-Westfalen- Deutsch; 2007).
Mit diesem Selbstbewusstsein positioniert sich das Fach Deutsch am WGE - ohne die Bedeutung anderer Unterrichtsfächer in Frage zu stellen.

Aber das Fach Deutsch ist auch mehr als nur eine Sprache. Es ist in das sprachlich-literarisch-künstlerische Aufgabenfeld eingebunden und teilt mit den anderen Fächern dieses Feldes sprachliche, musikalische und bildnerische (Aus-)Gestaltungen sowie Erkenntnisweisen und analytische Verfahren, die der Auseinandersetzung mit diesen Gestaltungen dienlich sind. Dabei spielen individuell von Schülerinnen und Schülern angefertigte Produktionen (Gedichte, Essays, Filme usw.) im Sinne kultureller Teilhabe eine wertvolle Rolle für das WGE und darüber hinaus.

Wie für alle anderen Unterrichtsfächer finden sich auch für das Fach Deutsch zentrale Überlegungen im Schulprogramm des WGE: „Das Fach Deutsch will – wie auch viele andere Fächer – den Schülerinnen und Schülern die Voraussetzungen zu einem qualifizierten Studium und einer erfolgreichen Berufsausbildung vermitteln. Eine wissenschaftspropädeutische Ausbildung soll dazu die Grundlagen vermitteln. Um den zunehmenden gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen (Technisierung und Globalisierung) gerecht werden zu können, wollen wir den Schülerinnen und Schülern fundiertes Wissen über die Chancen und Risiken der Kommunikations- und Informationsmedien sowie die kritische Beschäftigung mit (fiktiven) Lösungsentwürfen in (älteren und aktuellen) literarischen Werken vermitteln, wobei wir dem selbständigen Lernen eine große Bedeutung beimessen, ohne allerdings die anderen Lernformen zu vernachlässigen. Der Deutschunterricht hat sich deshalb die Förderung und Verbesserung der sprachlichen und literarischen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Ziel gesetzt. Darüber hinaus geht es darum, den Schülerinnen und Schülern literarische Erfahrungen, die Entwicklung von moralischen und ästhetischen Wertvorstellungen sowie durchdachte Urteilsbildung zu ermöglichen sowie Kreativität freizusetzen.“

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren das Ziel und der Weg zum Ziel: statt um Inhalte geht es um Kompetenzen. Dass letztere aber nur durch erstere zu erreichen sind, bleibt bei allen Vorgaben des Ministeriums Fanal des Deutschunterrichts am WGE.

Im Fokus des Unterrichts stehen so - in der Auseinandersetzung mit deutscher und europäischer Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart, unter besonderer Berücksichtigung von historisch-gesellschaftlichen Fragestellungen und den Vorgaben des Ministeriums - die vertiefte und schulformangemessene Entwicklung von fachlichen Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern: die Verstehens-, Darstellungs- und Reflexionskompetenz als Kernaspekt beinhaltet die Vermittlung von sprachlicher, kultureller, ästhetischer, ethischer und methodischer Kompetenz, welche auf einem fachspezifisch wissenschaftspropädeutischen Grundlagenwissen basieren. Folglich sind das Sprechen und Schreiben, der Umgang mit Texten und Medien sowie die Reflexion über Sprache durchgehende Schwerpunkte des Deutschunterrichts in den beiden Sekundarstufen. Methoden des fachspezifischen, aber auch fachübergreifenden und fächerverbindenden Arbeitens werden dabei kontinuierlich geschult.
Dazu trägt der Deutschunterricht wesentlich dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler diskursfähig werden, indem die Kommunikationskompetenz geschult wird. Teilhabe an demokratischen Prozessen und Gesellschaft durch Mitbestimmung ist dann gewinnbringend möglich, wenn man gelernt hat, inhaltlich exakt eigene Mitteilungen zu formulieren, die Aussagen anderer präzise und vorurteilsfrei aufzunehmen und mit den Sach-, Appell-, Selbstkundgabe- und Beziehungsaspekten solcher Mitteilungen kompetent umzugehen. Der Deutschunterricht am WGE leistet seinen Beitrag zur Schulung dieser Kompetenz bei den Schülerinnen und Schüler und stärkt zugleich deren Teamfähigkeit und ihre Bereitschaft zum dialogischen Austausch und Miteinander mit anderen Menschen innerhalb und außerhalb von Schule.    

Dazu kommt, dass die in der Jugend häufig anzutreffenden Probleme der Selbstfindung in literarischen Texten und anderen medialen Formen wie Filmen und Serien anschaulich und nachvollziehbar dargestellt sind. Mit der Analyse solcher Produkte liefert der Deutschunterricht am WGE einen ganz besonderen Beitrag zur Bildung und Orientierung unserer jungen Schülerinnen und Schüler in einer immer komplexer werdenden Welt.

Neben diesen Aspekten steht natürlich die Sachkompetenz im Fokus. Im Deutschunterricht werden die Regeln des Redens und Schreibens einschließlich der Rechtschreibung und Zeichensetzung vermittelt sowie Kenntnisse darüber, wie die deutsche Sprache funktioniert, was wiederum zu einem selbstbewussten Urteil über mögliche Gefahren für die Sprache z.B. durch mediale Einflüsse führt. Und der Deutschunterricht stellt ein analytisches Fachwissen und -vokabular bereit, das die Basis dafür bildet, dass Schülerinnen und Schüler sich überhaupt sachgerecht mit fiktionalen und nichtfiktionalen Texten/Medien auseinandersetzen können.