Literarisches Schreiben am Widukind-Gymnasium - seit 1981

längerfristige Kooperationen mit bildenden Künstlern


Zu den interessantesten Projekten, die im Rahmen des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts in den letzten Jahren realisiert worden sind, gehören die Kooperationen mit bildenden Künstlern.
Damit werden verschiedene Ziele verfolgt:
· Die generelle Förderung von Kindern und Jugendlichen, die am Schreiben literarischer Texte interessiert sind.
  ° Gerade für Jüngere ist es dabei wichtig, Schreibanregungen zu erhalten.
  ° Ältere Schüler/innen erhalten neben dem eigenen Schreiben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im Gruppengespräch mit jüngeren Gruppenmitgliedern weiterzugeben.
  ° Alle Beteiligten können ihren Umgang mit dem literarischen Handwerk verbessern und im Dialog Kriterien der literarischen Wertung entwickeln.
· Der Dialog verschiedener Kunstformen miteinander.
  ° Der Weg über ihr literarisches Schreiben bringt die beteiligten Kinder und Jugendlichen zu einem bewussteren Kontakt mit bildender Kunst. Sie werden dabei erkennen, dass Literatur und bildende Kunst ganz unterschiedliche „Sprachsysteme“ verwenden, um ihre Anliegen vorzutragen.
  ° Auch wenn Literatur mehr Freiheit besitzt als sprachliche Äußerungen, die auf Informationstransfer angelegt sind, sind ihr Wortschatz und ihre Grammatik doch normiert und Konventionen unterworfen. Das gilt für bildende Kunst in weit geringerem Maße.
  ° Der Dialog unter Verwendung so unterschiedlicher Zeichensysteme macht die Entwicklung komplexer "Übersetzungsstrukturen“ notwendig. Die kreative Auseinandersetzung bietet einen individuellen Weg der Beschäftigung mit bildender Kunst und ihrer Sprache. Dabei haben die Autor/inne/n sich immer wieder auch damit auseinanderzusetzen, wie der Künstler ihre Texte aufnimmt und dabei sicher ganz andere „Antworten“ findet, als sie sie vom verbalen Austausch her gewohnt sind.
· Kinder und Jugendliche erhalten ein weiteres Forum, um sich und Ergebnisse ihres künstlerischen Engagements darstellen zu können.
  ° Die Schüler/innen lernen, die Ergebnisse ihres literarischen Engagements öffentlich zu präsentieren.
  ° Die Schüler/innen gewinnen dadurch ein größeres Selbstbewusstsein und stärken ihre Fähigkeit sich vor einer größeren Öffentlichkeit darzustellen.
· Ziel ist es außerdem, mit einem solchen Projekt (mehr) ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, dass Kinder und Jugendliche nicht nur in den traditionellen Bereichen wie Musik, bildende Kunst oder Theater kreativ arbeiten, denn literarischen Schreiben in diesen Altersgruppen findet nach wie vor überwiegend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt. So soll das Projekt auch die Möglichkeit zum Dialog mit einem erwachsenen Publikum bieten.
· Als Publikum soll und kann nicht nur die Schulöffentlichkeit gewonnen werden, sondern generell Menschen, die sich für Literatur und bildende Kunst interessieren. Deshalb sollen Präsentationen der Projektergebnisse überwiegend auch außerhalb der Schule stattfinden.

Die Mehrheit der Kooperationsprojekte ist auf einen Punkt, eine einmalige Präsentation, ausgelegt.

Es gibt bzw. gab aber auch Langfristprojekte. Diese werden auf dieser Seite vorgestellt:
"Die letzte Reise" - ein Projekt mit dem Photographen Siegfried Baron
"Gesichter" - ein Projekt mit dem Maler und Zeichner Alexander Kapitanowski
"SprachZeichen (Kunst und Literatur im Dialog)" - ein Projekt mit dem Maler Michael Strauß [inzwischen beendet]

"Die letzte Reise" - ein Projekt mit dem Photographen Siegfried Baron

Als Beitrag des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts zu der unter dem Titel "Die letzte Reise" vom Widukind-Museum vom 1. November 2008 bis zum 12. April 2009 veranstalteten historischen Ausstellung zum Thema Tod und Bestattung vom Mittelalter bis in die Moderne entstanden Gedichte zu zwei Bilderschauen des Photographen, Graphikers, Malers und Lyrikers Siegfried Baron (geboren 1941 in Liegnitz/Schlesien, lebt in Hiddenhausen; hat als Kartograph, Photograph, Graphiker und Ausstellungsgraphiker gearbeitet. Verschiedene Photoausstellungen, ein eigenständiger Photoband, ein Gedichtband, Multimediaprojekte). Von ihm stammte auch das Gestaltungskonzept für die Ausstellung. Die Bilderschauen waren ebenso Teil der Präsentation wie ausgewählte Gedichte von Robin Dietrich, Stefanie Göhner, Marvin Koltzsch, Sophie Laura Stahl und Helena Wippermann (als Poster). Darüber hinaus fand im Rahmenprogramm zur Ausstellung am 28. Januar 2009 eine Lesung der Texte im Gemeindehaus am Kirchplatz statt [P].
Die Zusammenarbeit zwischen Siegfried Baron und dem Rumpelstilzchen-Literaturprojekt zum Thema wurde fortgesetzt und von der Rumpelstilzchen-Seite her personell erweitert. Inzwischen sind 23 Autor/inn/en mit mehr als 120 Texten an dem Projekt beteiligt.

Texte wurden seitdem auch bei verschiedenen multimedialen Lesungen mit wechselnder Besetzung unter dem Titel "Sprach-Bilder-Reise mit dem Tod" präsentiert:
· Bielefeld (Theaterlabor) [09.07.2010]
· Bielefeld (Sennefriedhof) [09.09.2012]
· Bielefeld-Schildesche (Abschiedshaus Im Stift) [26.09.2013] [P]
· Lübbecke (ev. Kirche Nettelstedt) [13.11.2011]
· Lübbecke (Thomas-Gemeindehaus) [11.11.2012] [P]
· Spenge (ev. Kirche Klein-Aschen) [12.04.2011] [P]

Eine kleine(!!! - nur ein Text je Autor/in), aber trotzdem repräsentative Textauswahl findet sich hier [D] .

Ausgewählte Photos und eine Bilderschau sowie ein gefilmtes Interview von/mit Siegfried Baron und Texte (neben Gedichten auch Reflexionen bzw. ein Interview zu Sterben, Tod und dem Schreiben darüber) von sechs Mitgliedern des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts (Robin Dietrich, Stefanie Göhner, Marvin Koltzsch, Anna Paszehr, Thea Radu und Rabea Usling) sind wesentliche Bestandteile des im Verlag Bergmoser + Höller als Heft 3|2014 der Zeitschrift "Deutsch betrifft uns" erschienenen Themenhefts "Die letzte Reise - Sterben und Tod in der Lyrik".
Dieses Material bildete den Ausgangspunkt einer Präsentation auf der didacta 2015 in Hannover. Unter dem Veranstaltungstitel "Junge Lyrik im Deutschunterricht" konnte beispielhaft gezeigt werden, dass literarische Texte jugendlicher Autor/inn/en, also (annähernd) Gleichaltriger, einen motivierenden Zugang zu evtl. als schwierig empfundenen Themen darstellen können. Die Presse berichtete [P].

St. Marien, Lemgo
Kreuzkirche, Bünde-Ennigloh

Als Weiterentwicklung des Präsentationskonzepts entstand die Wanderausstellung "Requiem – Betrachtungen zum Deutschen Requiem von Johannes Brahms". Sie wurde erstmalig vom 8. bis 25. November 2010 in der Stiftskirche Enger gezeigt. Im Rahmen der Eröffnung gab es eine Kurzlesung des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts. Begleitend zur Ausstellung gestalteten Rumpelstilzchen-Mitglieder außerdem einen literarischen Gottesdienst [P] .
"Requiem" ist als Wanderausstellung konzipiert und kann von interessierten Institutionen (mit und ohne Begleitprogramm des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts) ausgeliehen werden. Bisher gab es drei weitere Stationen:
· Lemgo (St. Marien, 26.10. - 26.11.2014)
· Bünde-Ennigloh (Kreuzkirche, 21. - 30.10.2015)
· Herford (St. Marien, 06.11. - 03.12. 2016) - mit Literaturgottesdienst am Volkstrauertag

Weitere Präsentationen sind bisher für Anfang 2018 in der Stadtbibliothek Bielefeld und für Ende 2018 / Anfang 2019 in der Städtischen Galerie Alte Lederfabrik in Halle vereinbart. Angedacht ist außerdem für 2019 eine Ausstellung in St. Thomä in Soest.

Der Informationsflyer zur Ausstellung "Requiem" kann durch einen Klick auf das Bild links heruntergeladen werden..
Interessent/inn/en für die Ausstellung können sich an die im Informationsflyer genannte Adresse wenden oder an das Rumpelstilzchen-Literaturprojekt [E] .

Nach langen Planungen gibt es seit dem 20. Februar 2017 eine Auswahl der Texte und Bilder auch in Buchform.
Das Buch kann im Buchhandel (ISBN 978-3-929634-72-3) und direkt beim Chora Verlag [L] bestellt werden.
Der vom Verlag erstellte "Waschzettel" enthält wesentliche Informationen [D].
Die Presse hat von der Buchpräsentation in der Friedhofskapelle in Enger berichtet [P].

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"Gesichter" - ein Projekt mit dem Maler und Zeichner Alexander Kapitanowski

© Alexander Kapitanowski, Enger

Der Kontakt zu dem Maler und Zeicher Alexander Kapitanowski [L] entstand, als seine Tochter Rina 2011 Mitglied im Rumpelstilzchen-Literaturprojekt wurde. Da Rumpelstilzchen hatte ja schon in der Vergangenheit interessante Erfahrungen mit der Kooperation mit bildenden Künstler/inne/n gemacht, und in diesem Fall war es nahezu zwangsläufig, über ein gemeinsames Projekt nachzudenken. Ein erstes Ergebnis war 2012 das Ausstellungsprojekt "Gesichter". Rumpelstilzchen-Mitglieder schrieben Texte zu Poträtzeichnungen von Alexander Kapitanowski. Außerdem zeichnete er Porträts von Rumpelstilzchen-Mitgliedern. - Zu denen dann auch Texte entstanden. Erstmals gezeigt wurden Ergebnisse des Projekts im Herbst 2012 in der Galerie im Rathaus in Spenge. Dazu gibt es einen Digitalkatalog [D] mit ausgewähltenTexten und Porträts sowie Presseberichten.

Inzwischen wurden weitere Präsentationen realisiert worden, für die das Projekt weiterentwickelt wurde:
· Bad Salzuflen-Schötmar (Fachwerk / 08.06. - 06.07.2014) - Plakat [L] / Einladung [L] /Pressebericht [P] / Textauswahl [L]
· Detmold (KlangBildGespräch in der Klangwerkstatt des Ensemble Horizonte / 31.10.2014)
· Halle/Westfalen (unter dem Titel "Meine Brüder suche ich."; gemeinsam mit Eva Volkhardt; Städtische Galerie Alte Lederfabrik / 24.01. - 28.02.2016) - Plakat [L] / Einladung [L] / Textauswahl [L]
· Höxter (unter dem Titel "Gehen - Bleiben - Zurückkehren?"; Forum Jakob Pins / 03.04. - 22.05.2016) -  Pressebericht 1 [P] / Pressebericht 2 [P] / Texte [L]
· Enger (unter dem Titel "Meine Brüder suche ich."; gemeinsam mit Eva Volkhardt; Galerie im Gerbereimuseum / 05.03. - 30.04.2017) - Plakat [L] / Einladung [L] / Pressebericht [P]

Das Fachwerk, Bad Salzuflen
Forum Jacob Pins, Höxter

In der vom Förderverein des Widukind-Gymnasiums herausgegebenen WGE-Jahresschrift 2016 ist ein längerer Bericht zum Projekt erschienen, der hier zum Download zur Verfügung steht [D] .

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"SprachZeichen (Kunst und Literatur im Dialog)" - ein Projekt mit dem Maler Michael Strauß

Die Idee für das Projekt entstand, nachdem Mitglieder des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts und eines Literaturkurses der Jahrgangsstufe 13 des WGE im Herbst 2006 die Ausstellung "Michael Strauß Begegnung Tina Tacke" in der "Galerie im Gerbereimuseum" besucht und zu dort ausgestellten Arbeiten eigene Gedichte und Kurzprosatexte geschrieben hatten. (Das Museum als solches zeigt zwar historisches Handwerk, die ihm angegliederte "Galerie im Gerbereimuseum" konzentriert sich auf die Präsentation aktueller Kunst, Literatur und Musik.) Diese Ausstellung stellte Bilder und Plastiken gegenüber. Hier ging es also zunächst um den Dialog zweier bildkünstlerischer Ausdrucksformen. Mit ihren Texten wurden die Kinder und Jugendlichen sozusagen zu weiteren Gesprächspartnern.
Im Gespräch über diese einmalige Aktion entstand die Idee eines Projektes, das über einen längeren Zeitraum hinweg einen kreativen Dialog junger Autor/inn/en mit einem erwachsenen bildenden Künstler ermöglichen sollte.
Michael Strauß [L] stellte den beteiligten Rumpelstilzchen-Mitgliedern zunächst im Februar 2007 ein Bild zur Verfügung gestellt. Mit diesem setzten sie sich schreibend auseinander. Es entstanden sowohl Gedichte als auch kurze erzählende Texte. Diese (24) Texte gingen an den Künstler zurück, der malend individuell auf sie antwortete. Die Schüler/innen reagierten wieder schreibend. Dieser Austausch wurde bis zum Ende des Jahres 2007 weitergeführt. Es gab keinen festen Zeitplan für die einzelnen Arbeitsschritte, da die Schüler/innen ohne Zeitdruck arbeiten können mussten. Der Austausch endete deshalb auch an unterschiedlichen "Stationen".
Als Ergebnisse des Projektes entstanden nicht Bildbeschreibungen, sondern die Autor/inn/en suchten und fanden ihre eigenen Bilder und Geschichten als "Antwort" auf die gemalten Bilder und setzten sich mit den wieder ganz eigenen (individuell an die Einzelnen gerichteten) "Antworten" des Malers auseinander. Es ging also um einem echten künstlerischen Dialog von Kindern und Jugendlichen mit einem erwachsenen Künstler und nicht darum, dass dieser die Schüler/innen bei ihrer Arbeit anleitete oder ihnen in einem Werkstattgespräch Einblick in seine Arbeit gab. Parallel zu den malerischen "Dialogbeiträgen" schrieb Michael Strauß ein Arbeitstagebuch.

Zweimal wurden die Projektergebnisse in durch multimedial gestützte Lesungen begleitete Ausstellungen präsentiert:
· Galerie im Gerbereimuseum in Enger im Rahmen von deren Jahresprogramm "Kunst und Literatur" (1.6. bis 17.08.2008) [P]
· Ausstellungshaus der Künstlervereinigung "Das Fachwerk – Künstler in Bad Salzuflen e.V." in Bad Salzuflen-Schötmar (15.02. bis 15.03.2009)

Zweimal wurden die SprachZeichen mit Preisen ausgezeichnet:
· Preis beim vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Schulwettbewerb "Was sprichst du?" zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 [P]
· Preis für Michael Strauß beim vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen ausgeschriebenen Wettbewerb "Künstlerinnen und Künstler begegnen Kindern und Jugendlichen" 2007 in der Kategorie "junge Erwachsene" [P]

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